Die “grüne” Skype-Alternative: XMPP

XMPP ist eigentlich nichts neues. Vielen besser bekannt unter der Bezeichnung Jabber, gibt es dieses offene und patentfreie Protokoll, das in seiner Ursprungsform für Instant-Messaging ausgelegt war, inzwischen aber auch Chats mit mehreren Teilnehmern sowie IP- und Videotelefonie unterstützt, schon etliche Jahre. In diesem Artikel möchte ich die wesentlichen Vorteile gegenüber anderen Protokollen und Anbietern erläutern und warum sich ein Umstieg langfristig für alle lohnt.

XMPP lässt sich am ehesten mit der Kommunikation per E-Mail vergleichen. Es gibt unzählige E-Mail-Anbieter. Sie können anhand des Teils einer E-Mail-Adresse erkannt werden, der hinter dem @ steht, also z.B. @gmx.de für GMX oder @gmail.com für Google. Das jeweilige Nutzerkonto (auch Alias genannt) wird durch den Teil vor dem @ gekennzeichnet. Zu lesen ist eine Adresse wie peter@gmx.de also in etwa wie “Peter bei GMX”. Was bei E-Mails jeder als selbstverständlich ansieht, ist dass alle E-Mail-Nutzer untereinander kommunizieren können, egal welchen Anbieter sie nutzen. Der Nutzer der Adresse foo@gmx.de kann also mit dem Nutzer der Adresse bar@gmail.com kommunizieren, obwohl beide Nutzer unterschiedliche Anbieter nutzen.

Bei Instant-Messaging-Anbietern wie ICQ oder Skype ist dies jedoch nicht möglich. Ein Nutzer von Skype kann über sein Skype-Nutzerkonto nur mit anderen Skype-Nutzern, nicht aber z.B. mit ICQ-Nutzern kommunizieren. Nun stelle man sich aber vor, es wäre wie bei E-Mails und alle könnten miteinander kommunizieren. Genau dies ermöglicht XMPP. Selbst die Nutzerkontenbezeichnungen entsprechen denen der E-Mails: Zuerst kommt ein Alias, also die Kennung des Nutzers, dann folgt der Anbieter nach dem @. Es obliegt letztlich dem Anbieter, ob eine Kommunikation mit den Nutzern anderer Anbieter möglich ist, aber prinzipiell geht das. Hinzu kommt, dass man bei XMPP nicht an eine bestimmte Software gebunden ist, sondern sich aus unzähligen Programmen und Apps das aussuchen kann, was einem am besten gefällt, ähnlich wie bei der Wahl zwischen Webmail, einer E-Mail-App fürs Smartphone oder einem E-Mail-Programm für den Desktop.

XMPP bietet neben einfachem Instant-Messaging auch Chats für mehrere Teilnehmer, sowie IP- und Videotelefonie. Damit sind außer Anrufen ins Telefonnetz alle Funktionen möglich, die auch Skype bietet. Der große Vorteil besteht im Gegensatz zu Skype aber darin, dass ausschließlich offene und patentfreie Standards verwendet werden, sodass jeder XMPP mit der Soft-/Hardware und dem Anbieter seiner Wahl nutzen kann.

Nicht jede XMPP-fähige Software unterstützt alle möglichen Funktionen. Dasselbe trifft auf die unterschiedlichen Anbieter zu. Es ist also wichtig, sich Anbieter und Software auszusuchen, die die Funktionen unterstützen, die man benötigt. Am wichtigsten ist, dass die Kommunikation mit anderen Anbietern möglich ist. Wem IP- und Videotelefonie wichtig sind, für den wäre die Software Jitsi (ehemals SIP Communicator) zu empfehlen. Sie bietet derzeit die umfangreichsten Möglichkeiten inkl. starker Verschlüsselung in diesem Bereich an. Mit Jitsi ließe sich auch SIP nutzen, worüber auch ins Telefonnetz telefoniert werden kann.

Google bietet die Nutzung von Google Talk über XMPP an, jedoch ist derzeit ungewiss, ob die Kommunikation mit Nutzern anderer XMPP-Anbieter auch in Zukunft noch funktioniert (siehe hier). Ansonsten gibt es noch diverse weitere E-Mail-Anbieter, die auch XMPP anbieten. Dazu gehören u.a. die deutschen Anbieter WEB.DE, GMX, 1&1 und freenet (weitere Anbieter sind hier und hier zu finden). Eine Neuanmeldung bei einem neuen Anbieter ist also für bestehende Nutzer all dieser Anbieter nicht mal nötig. Der Facebook-Chat lässt sich ebenfalls über XMPP nutzen, erlaubt allerdings nur die Kommunikation mit anderen Facebook-Nutzern.

Die Flexibilität von XMPP zeigt sich, wenn ein Anbieter mal den Dienst einstellen sollte. Man kann einfach den Anbieter wechseln und seine bestehenden Kontakte übernehmen. Es gibt auch die Möglichkeit, eine eigene Domain für XMPP zu verwenden, bei der entweder ein externer XMPP-Anbieter genutzt wird (z.B. Hosted.IM) oder man gleich selbst einen XMPP-Server betreibt. Dies hat den Vorteil, dass sich die eigene Adresse nie ändern muss, auch wenn man den Server-Anbieter wechselt. Theoretisch könnte man auch seinen XMPP-Server zu Hause betreiben.

Falls ein Anbieter – wie möglicherweise Google – die Verbindung zu anderen Anbietern kappen sollte, ist das ebenfalls nicht das Ende der Welt, da man einfach ein weiteres XMPP-Konto bei einem anderen Anbieter erstellen kann. Das ist vor allem deshalb kein wirkliches Problem, weil man in jedem Fall die gleiche Software weiternutzen kann und diese in der Regel auch mehrere Konten unterstützt. Auch hier kann man den Vergleich zu E-Mail-Programmen ziehen.

Die ideale Zukunft der digitalen Kommunikation sähe für mich so aus, dass die Nutzer von proprietären Protokollen auf das offene Protokoll XMPP umsteigen und die Frage, welches Protokoll oder welchen Anbieter man nutzt, ähnlich unwichtig wird wie bei E-Mails. Doch bis dahin ist es wohl ein weiter Weg, weil für Alternativen wie XMPP niemand groß die Werbetrommel rührt und die meisten Nutzer für die Vorteile nicht sensibilisiert genug sind, um den Mut aufzubringen, den Anfang zu machen. Den Anfang könnte man z.B. mit einem Blick auf einfachJabber.de machen. Dort kann man sich unkompliziert ein XMPP-Konto erstellen und bekommt umfangreiche Hilfestellung geboten, die sich vor allem an weniger erfahrene Nutzer richtet.

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